12./13. September 2026
Das Wochenende auf dem Oberberg
Neun Leute haben sich diesmal angemeldet – im Vergleich dazu hörte ich, dass es auch schon Wochenenden mit 70 Personen gab! Die neun Freunde haben aber für eine wunderschöne, familiäre Stimmung gesorgt. Reto und Corinne warteten fürsorglich auf dem Berg, während Claudia und Franzi die Biker vertraten und Susanne eine Wandergruppe hinaufführte.
Die Wandergruppe machte sich auf den Weg von Weglosen zur Druesberghütte. Susanne wollte uns herausfordern und wählte den steilen Weg durch den Leiterenwald. Einige schwatzten beim Aufstieg, andere konzentrierten sich auf das Atmen. Wir schafften es über die zehn Meter hohen Felsen auf dem mit Ketten gesicherten Felsenweg. Nach dem steilsten Abschnitt bei der Leiteren konnten wir den Ausblick geniessen: auf den Kleinen Mythen und den Roggenstock, welcher den Grossen Mythen noch verdeckte.

Bei der Druesberghütte waren wir nach dem steilen Aufstieg froh um eine Pause. Während Jens seine zwei Stücke Schoggikuchen verwehrt blieben, bekamen wir alle einen Filterkaffee. Schon am Start war dieser Kaffee nicht von vollem Erfolg gekrönt, da wir uns in Gedanken schon auf den erwarteten Kaffee auf dem Oberberg vorbereitet hatten. Aber die Pause am sonnigen Standort mit dem Blick Richtung Hoch-Ybrig-Gebiet hat uns für den Aufstieg belohnt. Weiter führte uns der Weg über den Chäseren und das Skigebiet Hoch-Ybrig. Beim Ausläufer des Hoch-Ybrigs am First wanderten wir auf dem Grat und konnten auf der linken Seite auch den Blick ins Muotathal geniessen.
Weiter ging es über die Sternenegg nach Oberberg. Auf eine weitere Pause verzichteten wir hier, damit wir umso früher im Oberberg ankommen und den Apéro sowie den sehnlichst erwarteten Kaffee bei Reto auf der sonnigen Terrasse geniessen konnten. Doch kurz vor dem Oberberg hat uns eine Wiese voll mit Herbstzeitlosen zu einem „Wiesenbad“ eingeladen. Wir legten uns hin, um das beste Foto der Herbstzeitlosen zu knipsen.


Claudia und Franzi fuhren die Strecke Ibergeregg – Studen – Einsiedeln – Rothenthurm – Schwyz nach Oberberg. Wir können nur kurz mitteilen: Sie waren mit einem guten Tempo unterwegs. Denn als die Wandergruppe ankam, sassen die beiden schon auf der Terrasse beim «Sönnele».
Als wir alle angekommen waren, durften wir den Apéro für die PIZ*CABAN-Hütte testen – serviert in Schalen, die auf einem Flumserberg-Ski fixiert waren! Reto ist ambitioniert und sucht immer nach Verbesserungen; wir sind gespannt, wie es am Ende bei der Badenfahrt aussieht. Dann kam das lang ersehnte Kaffeeerlebnis: Innerhalb von 25 Sekunden gepresstes, 90 Grad heisses Wasser durch frisch gemahlene Bohnen (die genaue Grammzahl werde ich hier nicht verraten, denn es braucht auch ein wenig Geheimnis für den Erfolg) brachte die komplette Erleichterung nach dem anstrengenden Tag.

Unter Anleitung von Reto und Corinne kochten (fast) alle das vegetarische Linsen-Gemüse-Curry. Sicher sind die Fleischesser froh, dem Oberberg an diesem Wochenende ferngeblieben zu sein – doch die ganze Gruppe war überwältigt vom Geschmack. Nach dem Spielabend begaben wir uns früh ins Bett, wobei sich viele in der Nacht beim Toilettengang wiedergetroffen haben.
Am Sonntagmorgen nach dem geselligen Frühstück und Endputz verabschiedeten sich alle auf ihren jeweiligen Wegen. Reto und Corinne haben noch all das was wir vergessen haben aufgeräumt und das Haus bis zum nächsten Mal verabschiedet. Jens und Barbara waren die einzigen Mutigen, die den Grossen Mythen bestiegen. Sie genossen es so sehr, dass Jens angesichts seiner wiederholten Abstinenz vom Schoggikuchen poetisch wurde: „Wenn die, die hoch wollen, die, die runter wollen, nicht runter lassen, können die, die runter wollen, die, die hoch wollen, nicht hoch lassen. Bergsteigerweisheit.“
Susanne führte den Rest der Gruppe an beiden Mythen vorbei nach Alpthal, wo wir in einem Selbstbedienungsbeizli auf einer wunderschön wie ein Wohnzimmer dekorierten Terrasse bis zur Abfahrt des Busses eine Pause geniessen konnten. Wir konnten dort noch die spezifische ländliche Architektur der Innerschweiz beobachten: Die Fassaden der Bauernhäuser werden mit kleinformatigen Rundschindelverkleidungen vor dem Wetter geschützt. Traditionell wurden in dieser Gegend kleine Holzschindeln, insbesondere Rundschindeln, verwendet. Sie werden überlappend befestigt, sodass die Fassade wie ein Schuppenpanzer aussieht. Auch die neuere Architektur übernimmt dieses Motiv, sehr oft aber mit Metallplättchen, die eine längere Lebensdauer haben.

Die Schrift am Schulhaus von Alpthal mag die Jugend abschrecken, denn niemand möchte „gezüchtigt“ werden, aber im Allgemeinen ist sie sehr lehrreich für das Leben:
„Den Jungen zur Lehr, den Alten zur Ehr“
„Den Kleinen zum Schutz, den Grossen zum Nutz“
„Der Jugend zur Zucht, dem Alter zur Frucht“
„Des Kindes Fleiss, des Mannes Schweiss, des Alters Preis“.
(Hierzu haben Sylvia und Susanne schöne Fotos gemacht.)
Nach so viel Bewegung und kultureller Bereicherung sind wir müde in das Postauto und nachher in den von Bikes überfüllten Zug eingestiegen. Unterdessen fuhr Franzi nach Sursee, um ihren TV Wettingen an den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen zu unterstützen. Wie ich später gelesen habe, schaffte Wettingen erfolgreich die Ränge 2, 3 und 4! Claudia fuhr mit dem Bike direkt die 100 Kilometer nach Baden, um die, von Velos überfüllten Zügen, zu schönen. So leistete jeder an diesem Wochenende seinen Beitrag an die Natur, und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!