18./19.Juli 2026
- Wieso Suonen? – Weshalb sind diese historischen Bewässerungskanäle notwendig?
- Geschichte – Die Suonen sind Jahrhunderte alt. Wann genau sie entstanden, ist unbekannt.
- Konstruktion – Der Bau von Suonen erforderte spezielle Techniken und Kenntnisse.
- Nutzung – Die Nutzung des Suonenwassers war vielfältig und technisch ausgereift.
- Verwaltung – Der Verwaltungsapparat der Suonen zeigt ausgeprägte demokratischen Strukturen.
- Fauna & Flora – Entlang der Suonen entwickelt sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.
Suonen, Schweisstropfen und Asphaltb(e)issen
Wenn Wanderleiter Josef Tommer eine Wochenendtour organisiert, darf man sich auf einiges gefasst machen – nur nicht auf Langeweile. So machten sich am Samstagmorgen, 18. Juli, neun Ladies und neun Männer auf den Weg ins Wallis, wo die berühmten Suonen auf die Wandergruppe warteten.
Der Auftakt verlief allerdings etwas anders als geplant. Der reservierte Zug fuhr nicht wie angekündigt, sondern eine halbe Stunde später. Josef nahm es sportlich und verzichtete aus Solidarität ebenfalls auf seinen angekündigten Vorsprung beim Ausschlafen. Immerhin bescherte die ungeplante Verspätung der Gruppe bereits die erste gemütliche Kaffeepause des Wochenendes.
Schon bald folgte der erste Aufstieg in Edesson – schweisstreibend, aber lohnend. Zum Glück war dieser Abschnitt nur das Vorspiel. Danach begann das eigentliche Walliser Wanderkino. Regelmässig ertönte unterwegs Josefs Timer. Wer dachte, jetzt komme die Mittagspause, lag falsch. Es war Zeit für den obligatorischen Hydration Break. Ob Durst vorhanden war oder nicht – getrunken wurde. Schliesslich wollte niemand bei diesen Temperaturen unterwegs zur Rosine trocknen.

Das abgelegene, steile Tal überraschte mit einer fast verwunschenen Landschaft. Bevor jedoch der versprochene Aprikosenkuchen erreicht wurde, mussten zunächst ein paar Asphaltb(e)issen überwunden werden. Zwischen den grünen Hängen grasten prächtige Pferde, und man hätte beinahe glauben können, die Walliser hätten hier heimlich ihre schönsten Vierbeiner versteckt. Nach einem kräftigen Anstieg wartete auf der Alp La Lé ein feiner Kuchenhalt. Spätestens jetzt war klar: Wandern und Kuchen gehören zusammen wie Suonen und Wasser.
Erfreulich war auch, dass die Kampfkühe vom vergangenen Jahr offenbar andere Termine hatten. Die Gruppe blieb diesmal völlig unbehelligt und konnte die silbern glitzernden Wasserläufe der Bisse Neuf und später der idyllischen Bisse Vercorin in aller Ruhe geniessen. Immer wieder öffneten sich überwältigende Ausblicke über die Walliser Bergwelt, die so manchen Fotoapparat auf Überstunden schickten.
Der Abend klang im Hotel Orzival bei gutem Essen und herzlicher Bedienung aus. Fast noch eindrücklicher als das Nachtessen war allerdings die Aussicht aus dem Speisesaal: Dunkle Gewitterwolken türmten sich dramatisch über dem Rhonetal auf und sorgten für ein eindrucksvolles Naturschauspiel – zum Glück aus sicherer Entfernung.
Der Sonntag begann mit einem reichhaltigen Frühstück. Für einige gehörte ein Nutellabrot ganz selbstverständlich dazu – schliesslich brauchen Wanderer bekanntlich eine solide Grundlage. In Vercorin flitzten unzählige Embolos, wie Schwalben in der Gruppe genannt werden, über die Dächer. Wenig später tauchte die Gruppe in einen angenehm kühlen Birken- und Espenhain ein. Das Rauschen der Blätter begleitete die Wandernden ebenso wie das stetige Gurgeln und Plätschern der Suonen.

Wie ein kunterbunter Menschenwurm schlängelte sich die Gruppe über saftig grüne Wiesen und durch schattige Waldstücke. Nach einem steilen Abstieg wurde die Grand Bisse de St. Jean erreicht – für viele der landschaftliche Höhepunkt des Wochenendes. Mal offen am steilen Hang, mal geschützt im Wald, führte die historische Wasserleitung abwechslungsreich Richtung Grimentz. Das abermalige silbrig glänzende Wasser begleitete die Wandergruppe fast auf Schritt und Tritt und sorgte selbst bei sommerlicher Wärme für eine angenehm frische Atmosphäre. Ganz ohne Abenteuer ging es aber auch am zweiten Tag nicht. In Vissoie wurde zunächst das richtige Postauto gesucht. Offenbar wollten nicht alle Fahrzeuge dieselbe Richtung einschlagen. Schlussendlich fanden aber sowohl Wandernde als auch Gepäck den richtigen Weg.
Ein weiterer Höhepunkt durfte selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen: Aprikosenkuchen. Eigentlich gilt bei dieser Wandergruppe die inoffizielle Regel «ein Aprikosenkuchen pro Wochenende». Im Wallis wurden daraus jedoch kurzerhand zwei. Man will schliesslich die regionalen Spezialitäten gebührend würdigen – und Regeln dürfen bekanntlich auch einmal zu Gunsten des Genusses gebrochen werden.
Am Ende waren sich alle einig: Zwei abwechslungsreiche Wandertage entlang der Walliser Suonen, beeindruckende Landschaften, herrliche Ausblicke, schattige Waldpassagen, gemütliche Einkehrhalte und eine fröhliche Wandergemeinschaft machten dieses Wochenende zu einem besonderen Erlebnis. Die Organisation war ausgezeichnet, die Stimmung hervorragend und die Tourenleitung von Josef Tommer einmal mehr souverän.
Danke, Josef – wir freuen uns bereits auf die nächste Wanderung.