Biketage im Waadtlländer Jura

03. – 05. Juli 2026

Drei Tage Jura pur: Bike, Essen, Schlafen, Repeat…

Keine Kultur, nur Natur!

Was die drei tollen Tage in Ste-Croix trotzdem mit Don Quijote, Hemingway und Betti Bossy zu tun haben, erfahrt ihr gleich.

Und wenn ihr denkt, die Wörter „Kuh“ und „flach bergauf“ würden unverhältnismässig oft im Bericht vorkommen, dann habt ihr recht.

Aber jetzt erstmal der Reihe nach.

Chronik

1. Tag

Auf der Autobahn gen Westen, die Sonne im Rücken und das 2:0 der Nati gegen Algerien im Ohr – besser kann ein Tourauftakt nicht gelingen. Zudem hat Barbaras Werbeaufruf nach der letzten Juratour 2025 gewirkt: Diesmal waren bei 14 Teilnehmern 5 Frauen am Start! Das ist eine Steigerung um 400 %! Weiter so! (Im Jahr 2027 wären es dann theoretisch 25 Frauen)

Von Vallorbe (750 m ü.M.) führte uns der Weg im kühlen Wald entlang der alten Eisenbahntrasse flach bergauf gen Métabief. Im Bikepark von Métabief kurbelten wir – entgegen der dort üblichen Fahrrichtung – weiter flach bergauf in Richtung des ersten Gipfels. Dabei haben wir auf halber Höhe noch zwei Biker mit Snakebite beim unfreiwilligen „Salami“-Frühstück mit etwas Traubenzucker unterstützt.

Am Top des Le Morond (1419 m ü.M.) angekommen, schenkten wir den mit der Seilbahn einschwebenden Bikern nur ein müdes Lächeln und nach einer Kaffeelänge ging es zum nächsten Gipfel. Der Mont d’Or (1461 m ü.M.) war zwar nicht mehr weit, aber doch ein paar giftige und trickreiche Anstiege entfernt – dann lag die grandiose Aussicht bis in den Alpenbogen vor uns.

Die folgende rasante, flowige Abfahrt vom Mont d’Or über diverse mit Kuhfladen gespickte Weiden zur rustikalen Auberge La Petite Échelle (1148 m ü.M.) währte nicht lange. Dort wurden wir für die Strapazen fürstlich mit (Kinder-) Wagenrad-grossen Röstitellern – garniert mit Wurstscheiben – entlohnt. Nicht zu vergessen den Salat mit kuhgerechten Blättern.

Auf dem Weg von La Petite Échelle weiter in Richtung Lac Brenet hatte ein Teil von uns (Namen der Redaktion bekannt) nicht mit diversen Abzweigungen gerechnet und raste direkt ins Tal („Lost in Transition“). Sepp musste ausschwärmen und eine halbe Akkuladung später waren die Abtrünnigen eingefangen und wieder auf dem rechten Weg.

Und endlich funkelten Lac Brenet & Lac de Joux im Gegenlicht um die Wette! Aber der Eisverkäufer in Le Pont konnte uns trotzdem nicht locken – und ein schnelles Bad war auch nicht eingeplant: Denn es wartete zum krönenden Abschluss des Tages noch ein nicht enden wollender Singletrail auf uns: Zuerst bis ins Tal der Orbe und dann zurück nach Vallorbe. Anschliessend ging es mit Umweg über das Freibad in Vallorbe über einsame Waldstrassen per Auto ins Hôtel de France nach Ste-Croix, wo wir die kommenden zwei Nächte bleiben sollten.

2. Tag

Frühmorgens Ritt von Ste-Croix (1080 m ü.M.) mit permanent grandioser Aussicht über den Balcon du Jura nach Le Soliat und zum Creux du Van (1400 m ü.M.). Zum Creux du Van braucht man wohl keine Worte verlieren: Der spektakuläre Talkessel belegt eindrucksvoll das Wirken der Erosion: Sind einmal die harten Kalke der Falte durchbrochen, geht es in den darunter liegenden weichen Tonen und Mergelschichten ungehindert weiter.

Vom Creux du Van zurück über flowige Singletrails zur Beiz Les Rochets – diesmal mit mundgerechtem Salat und seltsamen – aber leckeren – frittierten Käseteilen („Beignets“), quasi wie Fondue Bourguignonne nur mit Käse im Teig, nebst einem Schwung Roastbeef für alle.

Beim Rückweg nutzten ein paar die Gelegenheit, einen kurzen Abstecher zum Chasseron (1607 m ü.M.) zu machen. Flach bergauf, wie gehabt. Und diese Aussicht! Zur leichten Enttäuschung einiger Teilnehmer (Namen, ihr wisst schon) sollte die Abfahrt dann nicht über den berüchtigten Gratweg gehen. Aber die Enttäuschung währte nicht lang: leicht entschärft ging es in der Südflanke des Chasseron über flowige Trails gen Ste-Croix zurück. Inklusive Kuhgatter en masse. Zwischendrin gingen bei einem Teilnehmer noch Federelemente verloren, was uns aber nicht stoppen konnte. 

––Einschub––

Peters geologisches Lexikon für neugierige Naturliebhaber.

  • Klus: Schlucht mit Fluss quer zu Juraketten – ergo war der Fluss (oft) schon vor der Faltung zugegen!
  • Trockental: Tal im Karst ohne Bäche – Flüssigkeiten gibt es dort oft nur in Beizen.
  • Doline: Eine Art kleiner Krater im Karst aber ohne Meteorit – dafür mit Schluckloch am tiefsten Punkt.
  • Karren: Risse und Spalten im verkarsteten Kalk – haben aber kein Pferdestärken.
  • Flowgate: Hat nix mit Geologie zu tun – dort kommen mit etwas Schwung nur Biker aber keine Kühe durch.

––Einschub Ende––

3. Tag

Gleich frühmorgens ging es von Ste-Croix auf den Mont-des-Cerf (1273 m ü.M.) und im Kampf gegen Windmühlen und auf abartigen Ziehwege durch Kuhherden & -gatter über den Col de l’Aiguillon (1293 m ü.M.) bis auf die Aiguilles de Baulmes (1516 m ü.M. an unserem Aussichtspunkt). Wie ihr euch denken könnt, mit nochmals stetigerem Anstieg. Und die dortige Aussicht, ihr wisst schon, wurde nur übertroffen von der nun folgenden steinreichen, krassen Abfahrt entlang der Krete über diverse Karrenfelder in die Gorges de Couvatanne. Stoppen konnten uns – wieder einmal – nur die Kuhgatter.

Dann gab es zum letzten Mal ein spontanes Mahl im Hotel de France – bevor es auf die Autobahn gen Osten ging. Diesmal wieder mit der Sonne im Rücken aber mit breitem Grinsen im Gesicht!

Und was gab es sonst so?

  • Hôtel de France mit fabulösem Essen & Service. Im Hotel gab es zudem jede Menge Schreibmaschinen zu bestaunen, als Reminiszenz an die Ära der Feinmechanik in Ste-Croix Mitte des letzten Jahrhunderts. Dabei war auch die „Hermes Baby“, auf der nicht nur Ernest Hemingway und John Steinbeck, sondern auch Emmi Creola-Maag (aka Betty Bossy) geschrieben haben.
  • Aber nicht nur der Service und das Essen im Hôtel de France waren gut, mit Steffi als bewährten Sommelier konnten wir unsere Kenntnisse zu Trauben und Terroir direkt vertiefen.
  • Und was bei keiner Juratour fehlen darf: Die grüne Fee wurde intensiv beprobt. Natürlich OHNE Zucker – wir waren ja schliesslich keine Touristen (!).

Fazit

Tolle Gruppe, gute Stimmung, bestes Wetter, schöne Touren & Sepp als Guide: eifach de bescht!

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