12.–13. April 2026
Eigentlich wollten wir einen Teil der Urner Hochtour machen. Eigentlich.
Am 12. April trafen wir uns in Göschenen: sechs motivierte Männer, eine professionelle Bergführerin – Angelina Huwiler – und ein Plan, organisiert von Roli Jeggli. Die Wetterprognose? Sagen wir so: Der Frühling hatte beschlossen, den Winter höflich, aber bestimmt hinauszubegleiten. Warm bis weit hinauf, viel ausgeapert und der Schnee eher in der Kategorie „nass und schwer“.

Perfekte Voraussetzungen also. Zumindest für gute Geschichten.
Sonntag – Aufbruch, Birkhahn und der legendäre „Schlungg“
Der Aufstieg zum Göscheneralpseedamm verlief zügig. Wir waren motiviert, frisch und voller Optimismus. Von dort ging es weiter Richtung SAC Bergseehütte. Unterwegs wurden wir sogar mit einer Birkhahn-Sichtung belohnt – ein kurzer, stiller Moment, der uns daran erinnerte, dass wir tatsächlich in den Bergen unterwegs waren und nicht im Frühjahrs-Fitnesslager.
Nach einer kurzen Pause meldete sich Angelina mit den beruhigenden Worten: „Nur noch einen Schlungg bis zum nächsten Entscheidungshalt.“
Ein Schlungg? Wir schauten uns an. Niemand wusste, was das bedeutet. Nur wenige Minuten später war die Definition glasklar: „Steile, rutschige Aufstiegsspur, Spitzkehren ohne Ende, eingezwängt in einer engen Schneerinne.“ Kurz gesagt: ein Geländeabschnitt mit pädagogischem Mehrwert.

Spätestens hier schrieb Pius Vereinsgeschichte. Beim steilen und rutschigen Aufstieg entglitt ihm – zum ersten Mal seit ungefähr 75 Jahren – ein deutlich hörbares: „Hure Seich.“ Die Gruppe war sich einig: Wenn Pius schimpft, ist es ernst.
Nebenbei erweiterten wir unsere Abfahrtskenntnisse um eine neue Technik: kontrolliertes Abrutschen. Dazu gesellten sich einige geile oberflächige Schneerutsche, die zwar harmlos, aber äusserst eindrücklich waren. Adrenalin inklusive. Zurück im Tal wartete dann die verdiente Belohnung: Weltklassekuchen im Gasthaus Göscheneralp. Innerhalb weniger Minuten wandelte sich die Stimmung von „alpin herausfordernd“ zu „kulinarisch euphorisch“.
Bei Kaffee, Kuchen und realistischer Lagebeurteilung wurde die Situation besprochen. Der Entscheid fiel schnell und einstimmig: Planänderung – Bewegungstag auf dem Oberalppass. Die Urner Hochtour musste warten. Unsere Motivation blieb.
Montag – Nebel, Nassschnee und Pizza
Die Wetterprognose verschlechterte sich weiter, weshalb wir die Tour auf zwei Tage verkürzten. Der Montag startete mit einem guten, reichhaltigen Frühstück – eine solide Basis für alles, was noch kommen sollte. Danach verschoben wir nach Andermatt und nahmen die Bahn auf den Oberalppass. Leichter Schneefall, wenig Sicht, aber immerhin wieder winterliche Stimmung. Der Aufstieg zur Pazolalücke verlief ruhig, konzentriert und zunehmend neblig. Die Abfahrt folgte dann stilecht: Nebel, schwerer Schnee und kreative Linienwahl. Fahrtechnisch anspruchsvoll, mental stärkend und definitiv erinnerungswürdig. Vom Nätschen ging es zurück nach Andermatt, wo wir die Tour standesgemäss mit einem Pizzaschmaus abschlossen. Einhellige Meinung: Pizza funktioniert auch bei schlechtem Wetter zuverlässig.
Danach Heimkehr nach Hause – müde, zufrieden und um ein neues Wort reicher.
Fazit
- Wenig Pulver, viel Charakter
- Wenig Sonne, viel Humor
- Und eine neue alpine Einheit: der Schlungg
Die X*TRA-Skitour 2026 wird uns in Erinnerung bleiben – nicht wegen perfekten Bedingungen, sondern wegen einer starken Gruppe, einer souveränen Bergführerin, historischen Pius-Momenten und Weltklassekuchen.
Die nächste Tour kommt bestimmt. Und wir sind wieder dabei. Danke an Roli Jeggli und Angelina Huwiler für die flexible und sichere Leitung — und an alle für zwei unterhaltsame Tage in der Zentralschweiz.
Josef mit Chatti