Nach dem letztjährigen Gletscher-Trekking von den «Katzenlöchern» zum Märjelensee wollten 20 hochmotivierte X’tras den Gletscher vom Ursprung erkunden.
Tagwache bereits um 5 Uhr Morgen damit wir pünktlich in Baden die Gruppe treffen und via Olten-Bern-Interlaken nach Grindelwald fahren. Ankunft im neuen modernen Terminal, ja wir sind in Grindelwald und nicht in Kloten, führt uns Susanne zum Drehkreuz des Eiger Express. «Gebuchte Gruppe, bitte anderen Eingang nutzen» und schon stehen wir vor der Menschenmenge. Psychologisch geschickt lässt der Bähnler noch eine Gondel durch, doch bereits in der Nächsten haben alle X’traler in der 26er Kabine Platz. Einige kennen die V-Bahn (Eiger Express und Männlichen) vom Skifahren, welche im Dezember 2020 eröffnet wurde. In nur 15 Minuten bringt die schwerste und modernste 3S-Bahn uns vom «Grund» 943m, vorbei an der Eigernordwand zur neuen Station «Eigergletscher» 2’320m. Keine Zeit für WC-Stopp oder Kaffee-Pause, die Gruppe wird professionell organisiert durchgewunken und auf den Bahn-Perron rechts von AB eingewiesen. Unglaublich, in nur 45 Minuten gelangen wir via Stopp im Bergstollen, mit Blick durch die Fenster aus der Eigernordwand, zum höchstgelegenen Bahnhof Europas «Top of Europe» 3’454m. Dort erwarten uns bereits die beiden Bergführer Dominik Nellen und Hanspeter Berchtold.
Endlich gibt’s Kaffee und Snacks, dann Sonnencreme auftragen, Klettergurt und Steigeisen fassen und sich durch die Massen von asiatischen Touristen durchschlängeln. Das erste Ziel, den Ausgangspunkt unserer Gletscher Tour haben wir um 10.45h erreicht. Baden bis Jungfraujoch in ca. 4 Std. und auch die Walliser Bergführer brauchten 3 Stunden.
Der grosse Moment ist da, und wir erblicken den grössten (79 Quadratkilometer Fläche) und längsten (23 km) Gletscher der Alpen. WAU, welch einen Anblick.
Wir teilten uns in zwei Gruppen auf, schnallten die Steigeisen an und Dominik und Hampi nahmen uns ans Seil. Es wäre warm genug gewesen im T-Shirt loszulaufen, aber Langarm war Pflicht, damit die Verletzungsgefahr bei einem allfälligen Sturz geringer ist. Die Expedition ins Herz des ewigen Eises konnte beginnen. Die ersten Schritte mit den Steigeisen auf dem Frühlingsschnee (Nährgebiet des Gletschers = Akkumulationsgebiet) waren gewöhnungsbedürftig. Die Führung des Seils war einfach und funktionierte in der Gruppe prima.
Dominik meint, wir sollen schön in den Spuren laufen und über die Spalten einen genügend grossen Schritt nehmen, denn diese hätten eine V-Form. Tja, auch wenn ich in der Spur lief, plötzlich sackte ich knietief ein und zog einen Schuh voll Schnee raus. Das ging ja gerade mal noch gut…Schon bald kamen die ersten Spalten zum Überqueren.
Konzentriert und mit einem grossen Schritt über den Gap. Es war auch sonst kein Spaziergang, und wir mussten stets bei der Sache sein. Es war gigantisch, atemberaubend, grossartig und mit welch spektakulären Blick. Auf dem Jungfraufirn gings weiter talwärts. Kurze Pause zum Trinken und dann überquerten wir die Moräne um näher zum «Ewig Schneefäld» zu gelangen.
Schon bald hörten wir das Rauschen des Wassers. Unglaublich, welch grosser Bach sich durch das Eis schlängelte. Nein, nicht direkt, sondern in mehreren Schlaufen wie die Reuss in Bremgarten suchte sich das Wasser den Weg, bis es in der Gletschermühle verschwand.
Nach rund 3 ½ Stunden fanden sich beide Gruppen auf dem Konkordiaplatz ein. Hier fliessen der Aletschfirn, Jungfraufirn und Ewigschneefeld zusammen. Der Gletscher hat hier eine gigantische Eisdicke von 800m. Gestärkt mit Geburtstags-Lebkuchen von Brigitte nahmen wir weiterhin angeseilt die ca. 200m Höhendifferenz zwischen der Konkordia Hütte, 2’850m und dem Gletscher in Angriff. Dominik startet in einem wohlwissenden gemächlichen Tempo. Es sind 526 Treppen zu erklimmen. Puuuhhhh….die letzten Schritte mit erhöhtem Puls, yes, geschafft. Wir werden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Wie wunderschön präsentiert sich die 10 Milliarden Tonnen Eis.
Gruppe Dominik
Jetzt gibt es ein wohlverdientes Bier oder Panache Grappfruit. Bereits um 18 Uhr stärkten wir uns beim Znacht (Rüebli/Curry Suppe, Salat, Spaghetti, Vaniellecrème) für den 2. Tag.
Anschliessend gab es einige Infos für den nächsten Tag. Frühstück um 5.30h und Abmarsch um 6.15h war dann Realität und kein Witz. Ein unglaublich eindrucksvoller und wunderschöner Tag neigte sich dem Ende entgegen mit einem stimmungsvollen Abendrot.
Alle Fotos des Anlasses findest du in diesem Album.