Vogesen Bikewochenende

Sonntag, 1. Juli, 16:30: Neun Biker sitzen noch leicht erhitzt aber frisch geduscht in der Bar des Hotels Verte Vallée in Münster. Die Stimmung ist locker, die Autofahrer bereiten sich mit dem berühmtesten aller französischen Mineralwässer und die Mitfahrer mit elsässischem Meteor-Bier auf die bevorstehende Heimreise vor. Alle fahren in Gedanken nochmals die tollsten Trail-Passagen der letzten beiden Tage ab. Tourenleiter Steffi fasst kurz zusammen: „Alles ist wunderbar gelaufen: keine Stürze, keine Pannen! Danke für das verantwortungsbewusste Fahren im nicht immer ganz einfachen Gelände!“ und erntet grosse Anerkennung für die super Organisation und die Tourenleitung. Kurz: wir durften ein perfektes Bike-Wochenende geniessen.

 

Doch der Reihe nach: die Tour begann für mich wie bestimmt die meisten Teilnehmer an der VV in Turgi, als das Sommerprogramm vorgestellt wurde. Steffi bewarb mit ansteckendem Elan die geplante 2-Tages-Tour in die Vogesen. Vogesen? Das sind doch die „Berge“ in Frankreich, die man dem Namen nach vom Geographieunterricht kennt und die von den höchsten Bahnen im Europapark aus in der Ferne durch den Dunst erkennbar sind? So nah und doch den meisten unbekannt! Manometer, das tönt gut! Also nichts wie nach Hause, die Stimmung in der Familie erfühlen und im richtigen Moment bei Frau und Töchtern die Erlaubnis für ein freies Wochenende erfragen. Diese Hürde war schnell geschafft (Danke!) und die Formalität mit der Anmeldung ruck zuck erledigt.

Die anschliessende Vorfreude war gross, und als der Wetterbericht schon zwei Wochen vor dem Anlass eine stabile Bisenlage ohne Regen und mit viel Sonne in Aussicht stellte (wer kurbelt schon gerne im regennassen Schlamm herum), waren alle Vorzeichen auf Daumen hoch gestellt. Das Treffen am Samstagmorgen auf dem Tägiparkplatz war nur kurz, die 3×3 Bikes sind schon verladen angeliefert worden. Ab ging’s Richtung Bahnhof Thann, dem eigentlichen Startpunkt.

Wir starten gemütlich mit feinen Croissants und Kaffee. Anschliessend ging es über Asphalt und praktisch ohne Verkehr im Schatten des Waldes auf den Col de Hundsrück. Von da ab mehr oder weniger steil über Waldstrassen und Wege zur Ferme Auberge du Thanner-Hubel, wo wir Mittagsrast einlegten: feine Salate, Käse- und Fleischplatte und währschafte Rösti stärkten uns für die Weiterfahrt. Zum Dessert eine lokale Spezialität: Frischkäse mit Schnaps (Kirsch!?) und ordentlich Zucker. Energie pur, gerade richtig für den anschliessenden etwas ruppigen aber gut fahrbaren Schlussaufstieg auf den Thanner Hubel. Dort hatten wir eine tolle Rundumaussicht. Laut Panoramatafel kann man in die Alpen, Schwarzwald und weit ins Innere von Frankreich schauen. Aber im Sommer herrscht häufig Dunst, so dass wir vieles davon nur erahnen konnten.

 

Anschliessend konnten wir traumhaftes Bike-Gelände geniessen: Trails vom feinsten, wunderbar angelegt. So konnten wir die erarbeiteten Höhenmeter mit viel Freude am Fahren und unzähligen Jauchzern vernichten! Der Weg führte nach ein paar Gegenanstiegen zurück zu den Autos am Bahnhof Thann. Dort hiess es, Bikes aufladen und zum Hotel Verte Vallée in Münster (ja, aus diesem Tal kommt der berühmte Käse) fahren. Anschliessend Duschen, kurzes Eintauchen ins hoteleigene Hallenbad, und dann Abendessen. Das Essen war sehr sehr lecker, wie man es sich von der gehobenen Gastronomie Frankreichs wünscht!

 

Der Sonntag startet am reichhaltigen Frühstücksbuffet wieder mit Essen. Anschliessend war Abfahrt um 08:30, Ziel der Petit Ballon, der zweithöchste Punkt der Vogesen. Wiederum können die meisten Höhenmeter ökonomisch per Asphalt im Waldschatten erklommen werden. Auf den letzten drei Kilometern fahren wir zwischen Alpweiden in der schweisstreibenden Sonne bis zur Passhöhe. Wir teilen die Strasse mit einigen Gümmelern, Autos gibt es zum Glück praktisch keine. Die letzten Höhenmeter passieren wir auf mehrheitlich fahrbaren Wanderwegen bis zur Marienstatute. Man merkt, es ist Sonntag: es gibt viele Wanderer, einheimische Biker und Modellsegelflieger. Die Aussicht und das Gipfelgefühl sind wunderbar. Steffi hatte am Morgen Sicht auf Schneefelder angekündigt, was für Erheiterung sorgte. Aber tatsächlich: vom Petit Ballon aus konnten wir noch Überreste vom letzten Winter sehen! Leider etwas weit weg, die erfrischende Schneeballschlacht fiel aus…

 

Anschliessend gab’s Mittagessen in der nahen Ferme Auberge Kahlenwasen. Der Patron kündigt das Essen an: „Hier im Elsass ist am Sonntag Sonntag. Da gibt es Melkermenu!“. Basierend auf der Erfahrung der Reko-Tour empfehlen Steffi und Pius, von den vier angebotenen Gängen nur drei zu bestellen. Wir begnügen uns daher mit Suppe, geräuchertem Braten mit Kartoffeln und einem Dessert (Tarte aux Myrtilles, lecker!). Die Fleischpastete wäre sicher auch gut gewesen, aber wir waren auch ohne mit reichlich Energie versorgt.

 

Anschliessen wieder Trails vom feinsten! Abwechslungsreiche Flowtrails mit schnellen Passagen und einigen technischen Teilstücken, die die Profis unter uns mit Schwung nahmen und der eine oder andere Fahrer zu Fuss passierte, ganz dem eigenen Können angepasst. Sepps Bildergalerie sagt mehr als tausend Worte!

Im Tal angekommen, fuhren sechs Teilnehmer noch eine Zusatzschlaufe mit 400 Höhenmetern und die übrigen drei gönnten sich in der Zwischenzeit in einem Kaffee ein feines Glacé. Und ja, dann war’s schon vorbei! Es war ein supertolles Wochenende, und wer weiss, vielleicht gibt’s wieder mal eine Tour in die Vogesen. Da hat es noch sehr viel zu entdecken. Nochmals 1000 Dank an Steffi für die perfekte Organisation: gemäss Nachbesprechung in der Bar können wir Note 5.75 von 6 vergeben. Abzug gibt’s für einmal 30 Meter Verfahren an einer Wegkreuzung im Wald!!

 

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