Auf den Spuren der Schmuggler, Deserteure und Wildtiere im Tessin

4+

Zweitageswanderung vom 14. Okt. – 15. Okt. 2017

Lange ist es her, seit ich den letzten X’tra Bericht geschrieben habe und Markus muss es mir wohl angesehen haben. Mit Vergnügen werde ich diesen schreiben und dankbar auch, dass ich dies alles erleben durfte.

Mit 18 Teilnehmern starten wir pünktlich um 05 38 Uhr ab Bahnhof BADEN nach Zürich HB. Dort stossen noch Erika und Thomi, von Uster herkommend, zu uns und somit sind wir insgesamt 20 X’traler. Der Intercity bringt uns in 1 ¾ Stunden durch den längsten Eisenbahntunnel Europas (57km lang) nach Bellinzona und wir steigen dann um nach Cadenazzo. Dort wartet auch schon unser Postauto, welches uns auf die ALPE DI NEGGIA (1300 ü.M) bringt. Somit haben wir bereits an 1100 Höhenmeter gewonnen. Bevor wir den ersten Gipfel, den MONTE TAMARO (2000 ü.M) in Angriff nehmen, stärken wir uns noch mit Kaffee und selbstgemachtem Kuchen im Ritrovo Alpe di Neggia.

Die Prognosen für das sonnige und warme Wetter im Tessin haben sich vollumfänglich bewahrheitet. Die Stimmung ist gut und es kann mit der Tour losgehen. Nach einer kurzen Rast können wir es kaum abwarten auf dem Gipfel zu sein. Oben angelangt, werden wir mit einem atemberaubenden Tiefblick auf die Magadinoebene, auch auf die weiteren Ausläufer des Lago Maggiore Richtung Italien, die Weitsicht auf den Monte Rosa und andere 4000er-Berge belohnt.

Auch auf dieser Höhe ist es noch recht warm, ja fast sommerlich. Gestärkt, den Durst gelöscht, Fotoschootings und Tenuewechsel gemacht, wandern wir weiter über den Grat Richtung MONTE LEMA und haben die Aussicht in das Malcantone und auf den Lago Maggiore.

Nun geht es weiter den wilden Pfad hinab zum Bergdorf der „i Quatra Brighent“ (die 4 Gauner) nach MONTEVIASCO. Dabei überschreiten wir die italienische Grenze und unterwegs treffen wir auf alte verlassene Natursteinhäuser. Da machen wir auch eine Rast und warten auf Stefano, ein Arbeitskollege von Markus, der mit typischer italienischem Zeitverständnis eintrifft. Seine sympathische Art lässt uns alles vergessen, und auch Markus ist erleichtert.

Stefano zeigt uns den Steinbruch, wo damals die Steine in mühsamer Arbeit verarbeitet wurden, für den Bau der Steinhäuser. Er erzählt uns auch die Geschichte von MONTEVIASCO. Die Legende besagt, dass dieses Dorf von den 4 Deserteuren erbaut wurde, nach dem diese während der spanischen Besetzung im 17. Jahrhundert aus der Armee desertierten, Zuflucht im oberen Tal suchten und ein Mädchen für jeden von ihnen aus dem nahegelegenen Ort Biegno entführten, um ein neues Leben zu beginnen. Damals wohnten noch 400 Leute im Dorf und heute sind es noch 5 ständige Einwohner. Ein Strassennetz gibt es keines, dafür eine Seilbahn (für die Sportmuffel) oder man muss die 1400 Stufen Saumpfad überwinden. Sogar 3 Restaurants gibt es!

Bei unserer Ankunft in Monteviasco geniessen wir auf der Aussichtsterrasse “il Camoscio Bellavista“ unser wohlverdientes Bier bei Sonnenuntergang.

Nur 100 Meter entfernt beziehen wir unsere Unterkunft im “Ostello Quatre Brighent“ und jeder findet sein Plätzchen zum Schlafen. Es bleibt noch Zeit für die Fotoausstellung von Stefano im ehemaligen Kindergarten zu bewundern, er ist Hobbyfotograf, Tier- und Naturliebhaber. Sehr beeindruckend!

Im „Il Camoscio Bellavista“ geniessen wir ein feines Nachtessen: Antipasti, Polenta mit Wild, vom Wirt selbst erlegt und runden mit einem süssen Dessert, von der Wirtin selbstgemacht, ab.

Am nächsten Tag stärken wir uns mit einem italienischen Morgenessen: Kaffee, Käse, Salami, Früchte, bevor es pünktlich um 08:30 Uhr losgeht. Wir spazieren durch das Dorf und geniessen diesen versteckten Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dutzende von Steinhäuser zeigen noch heute, wie früher hier gelebt wurde. Wenn ich hier einen Film drehen würde, der Titel wäre „Lost in Paradise“.

Eine 2-Stündige Marschzeit in das Schmugglerdorf INDEMINI führt uns durch wilde Granitschluchten, Kastanienwälder und verlassene Steinhäuser.

In Indemini angekommen, herrscht eine Atmosphäre der Ruhe und Zufriedenheit. Wir trinken hier noch einen Kaffe auf der Terasse, geniessen den Weitblick auf den Monte Lema und zum Bergdorf Monteviasco, bevor wir weiterziehen. Nach einem Wiederaufstieg erreichen wir das einsame ORATORIO VON SANTA ANNA (1300 Meter), schön auf einer Waldlichtung gelegen und bestens geeignet für eine Rast und ein Nickerchen für James.

Wir verabschieden uns von der Santa Anna und wandern im schönen Buchenwald abwärts zur ALPE DI CEDULLO. Jetzt gilt es nochmals 500 Höhenmeter zu überwinden, bis wir auf dem Hausberg von Markus, dem MONTE GAMBAROGNO ankommen. Unterwegs erlebe ich ein „Déjà vue“, ein bisschen Schadenfreude kommt mir auf, es kann auch Anderen passieren: Max verliert seine Sohle am Wanderschuh!!! Gut ausgerüstet sohlt er sie wieder zusammen und kann weitermarschieren.

Auf dem Gipfel angekommen erleben wir ein traumhaftes Panorama auf unzählige Bergketten, den Lago Maggiore, die Brissago Inseln, und den Verzasca Staudamm. Ab jetzt geht es nur noch runter und wir dürfen das letzte Postauto in Alpe di Neggia nicht verpassen. Doch bleibt noch genügend Zeit um einzukehren, bevor wir einsteigen und runter nach Magadino fahren. In Scesana steigen dann unsere 2 Pensionäre Pius und Thomi aus. Das schöne Wetter hat es Ihnen angetan, sie bleiben noch etwas länger im Tessin.

 

Unser Organisator Markus hat immer alles bestens im Griff gehabt. Die Stunde Wartezeit in Magadino überbrücken wir mit Pizza essen auf der Terrasse des Ristorante al Lago bei Sonnenuntergang. Ich klinke mich hier aus und verabschiede mich schweren Herzens. Das Tessin ist seit 3 Jahren meine zweite Heimat geworden und ich geniesse die restlichen schönen Herbsttage in Minusio.

Ich hoffe, Ihr seid alle mit der Bahn, natürlich staufrei, unter dem Gotthard durch, gut in Baden angekommen.

Dir Markus, ein ganz herzliches Dankeschön von uns allen, für das unvergessliche Erlebnis und für das Organisieren.

Nives Kuhn-Nani

 

Und hier noch das Album mit allen Fotos.

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